Produkte von Gilbert Rohde

Herman Miller stand 1930 kurz vor der Insolvenz, als Gründer D.J. De Pree erstmals auf Gilbert Rohde traf, einen autodidaktischen Industriedesigner aus der Bronx.

Rohde hatte als Illustrator für Modedesign und Kaufhäuser gearbeitet, bevor er seinen Weg in das Möbeldesign fand. Inspiriert von seinem Selbststudium und einem Besuch des Bauhauses begann Rohde, die Ideale des Modernismus zu verfolgen und Designs für die breite Öffentlichkeit zu entwerfen. Seine Vorhersagen haben sich als zutreffend erwiesen: Die Wohnlandschaft sollte sich bedeutend verändern, mit einer starken Tendenz zu kleineren Räumen und städtischem Wohnraum. Rohdes damals unorthodoxe Sichtweise („Das Interessanteste an einem Zuhause sind die Menschen, die dort leben. An sie richtet sich mein Design.") hat Herman Millers kontinuierlichen Ansatz für menschenorientiertes Design geprägt.

Auf der Suche nach einem Hersteller für seine modernen Möbel wandte sich Rohde im Showroom von Herman Miller in Grand Rapids, Michigan, an De Pree. Dort legte er ihm seine Sichtweise dar, nach der die Stilmöbel, die das Unternehmen damals herstellte, nicht zum modernen Leben passten und grundsätzlich unauthentisch waren. Seine moralischen Argumente fanden bei De Pree Anklang. Da das Unternehmen es sich nicht leisten konnte, die Design-Entwürfe direkt zu erwerben, stimmte Rohde einer „Beratungsgebühr" von 100 USD und einer Umsatzbeteiligung von 3 % zu – der erste Lizenzvertrag der Branche. De Pree war am Anfang nicht wirklich überzeugt und empfand die Entwürfe als schlicht, sah jedoch keine andere Alternative. Rohde hatte außerdem Eindruck auf ihn gemacht:

„Dieser Mann besaß ein Wissen, über das ich nicht verfügte. ... Mir wurde klar, dass wahres Design von Funktionalität und Einfachheit bestimmt ist."

– D.J. De Pree

Rohde machte bei Herman Miller deutlich, wie sich Design auf den Betrieb eines Unternehmens auswirken kann. Er beriet das Unternehmen nicht nur beim Produktdesign, sondern entwickelte auch die Herstellungsprozesse weiter und vermittelte dem Unternehmen mit der erstmaligen Einführung von Katalogen und Showrooms für moderne Möbel neue Verkaufsstrategien. Während seiner Zeit als erster Designdirektor des Unternehmens stiegen die Umsätze erheblich an. De Pree betrachtete die Begegnung mit Rohde später als „schicksalhaft", da dieser ihm eine neue Sichtweise vermittelt und die zukünftige Rolle des Unternehmens im modernen Design vorhergesehen hatte. „Wir stellen nicht mehr einfach nur Möbel her”, sagte Rohde zu De Pree. „Wir schaffen eine Art zu leben – einen Lebensstil." 

Die Zusammenarbeit mit Rohde brachte Herman Miller auf rasantem Weg in Richtung eines lösungsorientierten Designs und an die Spitze der amerikanischen Moderne. Vor allem bewirkte sie jedoch, dass externen Designern eine entscheidende Rolle im Herzen des Unternehmens zugeteilt wurde – ein Ansatz, der von Rohdes Nachfolger George Nelson entschieden ausgebaut wurde und Herman Miller schnell weltweit Anerkennung verschaffte. „Rohde hat uns wirklich eine ganz neue Perspektive verschafft", sagte Nelson.